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Hermann Mühlendyck ist immer bodenständig geblieben

Essen Kettwig ist bekannt dafür, dass hier einige sehr große Industrieunternehmen strategisch durchaus wichtige Standorte haben, auch wenn die Gegend eigentlich vom idyllischen Naherholungsgebiet des Ruhrtals geprägt ist. Große Höfe wechseln sich mit sehr gediegenen Wohnvierteln und großen Landsitzen ab, an deren Spitze die Krupp’sche Villa Hügel drüben am Baldeneysee. Rund um Kettwig kann der Besucher aber auch unvermittelt auf die Montagehalle eines großen Stahlkonzerns oder eine Autobahn stoßen. Alles liegt dicht beieinander im Süden der Großstadt Essen. Die Landwirtschaft hat im Kettwiger Tal, das landschaftlich ausnehmend schön ist, eine jahrhundertelange Tradition. Heute bestimmen in diesem südwestlichen Essener Stadtteil Reihenhäuser das Strassenbild, wohin das Auge auch fällt. Mitten in solch einem heutigen Wohngebiet stößt der Besucher unvermittelt auf „Mühlendyck’s Weg“. Und das hat seinen Grund. Bis vor rund 40 Jahren hatte hier die Familie Mühlendyck ihre Felder, jahrhundertelang haben sie hier als Landwirte gesiedelt.

Der uralte, aber durchaus zeitgemäß ausgebaute Hof, auf dem das Ehepaar Mühlendyck lebt, ist bis heute eine Oase inmitten des ambitionierten Essener Vorstadttreibens. Ein paar Hektar Grünland sind geblieben. Einige Pferde genießen den umzäunten Auslauf und die vielen Möhren, mit denen sie gefüttert werden. Über die Baumwipfel blicken freundlich, aber etwas einförmig die Häuser, in denen die Kinder wohnen mögen, die die Pferde mit den Möhren füttern. Frau Mühlendyck hat einen zauberhaften Bauerngarten hinter dem Haus angelegt, vom März bis hinein in den November leuchten hier die unterschiedlichsten Blüten. Im Sommer lädt der Hausherr die Freunde aus nah und fern Jahr für Jahr zu einem Scheunenfest, für das auch eine weite Anreise wohl lohnt. Braucht man mehr, um sich im Paradies zu fühlen? Ja, man braucht. Einen Hof braucht man – das meint Her Mühlendyck. Die Landwirtschaft liegt seiner Familie eben seit Jahrhunderten im Blut.

Teich am Geisweiler Hof, im Hintergrund die Hofstelle

Nachdem fast das gesamte Gebiet, ein idyllisches Tal rund um Mühlendycks Weg in Kettwig, als Bauland ausgewiesen worden war, verkaufte die Familie notgedrungen dieses Land. Sie wollten Landwirte bleiben, so, wie das die Mühlendycks seit Jahrhunderten gewesen waren, und suchten daher einen neuen Hof. Ein Nachbar gab ihnen den Tipp, Alfred Jörns von der Firma Agrarboden anzusprechen: mit dem habe er gute Erfahrungen gemacht. Das war 1969.
Alfred Jörns hatte auch bald ein schönes Angebot: einen großen Hof in den Niederlanden, zwischen Groningen und Delftsiel gelegen. 178 Hektar Land, flach hingestreckt, ausnehmend gut zu bewirtschaften. Hermann Mühlendyck reizte das Objekt, ihn reizte die Weite. Er kaufte. Hätte er den Handel allein hinbekommen? „Nein, nie! Das Objekt war weit weg, es galten niederländische Gesetze, den Überblick konnte man gar nicht haben.“ Doch Alfred Jörns, der Vermittler, hatte ihn.

Hermann Mühlendyck war fast zwei Jahrzehnte glücklich mit seinem Hof kurz hinter dem Nordseedeich. Ärger gab es dann mit der Familie des Pächters: „Die machten dort einige Dinge, die sie nicht machen durften. Da bin ich vor die Pachtkammer gezogen, und es sah so aus, als ob ich Recht bekomme.“

Plötzlich, es war 1987, wollten der Pächter und seine Brüder dann den Hof von Hermann Mühlendyck kaufen. „Das war für mich die Lösung überhaupt, aber es stand alles auf Messers Schneide!“ Alfred Jörns wurde als Berater zugezogen. Ein hartes Ringen stand bevor, denn die Preise sanken und auch durch das Wirtschaften der Pächter war der Hof schlecht am Markt zu plazieren. Trotzdem wollte Mühlendyck natürlich einen fairen Preis.

Nach langen Verhandlungen drängte Jörns plötzlich. „Wie müssen das heute machen, oder wir machen es nie!“ Mühlendyck wußte zwar nicht, was nun so plötzlich so drängend war, aber er vertraute Alfred Jörns, und beide fuhren nach Groningen. Für das Fingerhakeln unter Profis ließ der den Eigentümer allerdings zurück: „Da hat der Herr Jörns das allein verhandelt. Ich mußte in der Nähe in einem Gasthof warten. Irgendwann kam er dann wieder und sagte: ‚Jetzt müssen Sie nur noch ja sagen!’“ Jörns hatte für seinen Kunden nicht nur einen fairen, sondern einen wirklich guten Preis herausgehandelt: das Doppelte vom Kaufpreis, trotz sinkendem Marktniveau. „Das Geschäft war gut, der Verkauf war für mich fünf vor zwölf. Ja, der Herr Jörns, das war ein Fuchs!“

Die Hofstelle des Geisweiler Hofes inmitten des Besitzes

Dies Abenteuer war gut überstanden, doch abermals wünschte sich Herr Mühlendyck einen neuen Hof – er wurde vom Verkäufer wieder zum potentiellen Käufer. Alfred Jörns hörte sich an, was Mühlendyck vorschwebte, dabei war er die Ruhe selbst. „Er hatte immer interessante Objekte in seiner großen Aktentasche“, erinnert sich Mühlendyck, „aber er wurde nicht aufdringlich.“ Das hat Mühlendyck, dem bodenständigen Rheinländer, mächtig imponiert. „Herr Jörns sagte dann ganz wie nebenbei: ‚Naja, wir können ja noch mal hinfahren, aber nur, wenn Sie wollen. Schlafen Sie da mal drüber.’ Natürlich wußte der ganz genau, daß man wollte – er war halt ein Fuchs.“

Nach dem Verkauf des Hofes in den Niederlanden dauerte es nicht lange, und Alfred Jörns kam mit der Idee auf den Mühlendyck’schen Hof, den Geisweiler Hof im Saarland zu erwerben, eine Erbengemeinschaft bot ihn bereits sechs Jahre lang zum Verkauf an. Die Mühlendycks waren zunächst alles andere als begeistert: „Ich dachte nicht, dass das dort landschaftlich so schön sein und wollte erst nicht. Aber bei Agrarboden scheinen sie zu wissen, wo es schön ist; ich habe meine Meinung jedenfalls gründlich revidieren müssen“, erzählt Hermann Mühlendyck.

Doch mit schöner Landschaft ist es für einen echten Landwirt nicht getan. Als Herr Mühlendyck aus dem Auto stieg, sah er auf den ersten Blick, dass der Raps nicht gut stand: „Auf das Feld konnte man gehen, ohne eine Pflanze umzutreten – da hatt’ ich schon den Kaffee auf!“ Doch Alfred Jörns hatte bereits recherchiert und wußte, das dort wegen eines Streits unter den bisherigen Eigentümern nicht mehr richtig gewirtschaftet wurde: „Ganz ruhig“, sagte er, „das kriegen wir schon.“ Und er holte sich alle Informationen – die geologischen Daten, die Bodenpreise, die Vergleichszahlen bei der Gemeinde und beim Landschaftsverband und vieles Andere. „Dann hat er sich an seinen Computer gesetzt und gesagt: Soviel darf‘s kosten und keinen Pfennig mehr.“ Hermann Mühlendyck ist heute noch anzusehen, dass der Preis, den Alfred Jörns damals errechnet hatte, um keinen einzigen Pfennig zu hoch war.

Bei Agrarboden wird seit fünf Jahrzehnten kühl gerechnet. Alfred Jörns kam eines Tages, die Verhandlungen wegen des Geisweiler Hofs liefen schon eine Weile, überraschend nach Kettwig und sagte: „Wir fahren jetzt ins Saarland, machen heute einen Vorvertrag für den Hof.“ Hermann Mühlendyck wollte nicht einmal seine Jacke anziehen, geschweige denn ins Saarland fahren: „Wieso das und wieso heute?“ Doch Jörns war ruhig und bestimmt: „Wir machen Vorvertrag. Heute ist es günstig.“ Und er hatte recht: Die Erbengemeinschaft im Saarland, die sehr unentschlossen gewesen war, wollte verkaufen, und der Vertragsentwurf von Alfred Jörns war gut: Herr Mühlendyck sollte davon zurücktreten können, die Verkäufer nicht. Anders ausgedrückt: vier Wochen Zeit für Hermann Mühlendyck. Ohne Risiko. Der Käufer von damals ist noch heute begeistert: „Das war ein guter Vertrag. Der Jörns wußte, was er tat.“

Auch den Geisweiler Hof hat Herr Mühlendyck dann wieder verkauft, selbstredend mit guter Wertsteigerung. Geholfen hat ihm Dirk Meier Westhoff, der heutige Geschäftsführer bei Agrarboden. Und wieder wurde es eine schöne Sache für ihn: Das Jagdrecht dort hat er behalten, denn die Jagd steht gut und die Landschaft ist schön – und ein kostenloses Wohnrecht in einem der Nebengebäude, einem ehemaligen Landarbeiterwohnhaus, hat er sich überdies gesichert. Die Strecke stimmt, die Sorge um den Hof ist er los: Hermann Mühlendyck hat wieder ein gutes Geschäft gemacht.

„Ich würde jederzeit wieder zu Agrarboden gehen, aus dem ganz einfachen Grunde, weil ich in all den Jahren, bei all den Geschäften nicht einmal danebengelegen habe“, so urteilt der umsichtige Rheinländer heute. „Der Herr Jörns hat immer zu mir gesagt: Nee, ich merke schon, da wollen Sie nicht dran, dann gehen wir weiter, schauen wir uns morgen was Anderes an. Erst wenn Sie sagen, o.k., das ist was, dann machen wir mehr, dann gehen wir drauf zu.“ Er wolle morgen auch wiederkommen können – das war das Jörns’sche Motto. Und sein Geschäftsgeheimnis? „Der Herr Jörns hatte enorme Erfahrung. Wenn Sie ein Objekt ins Auge gefaßt hatten, dann hat er alles zusammengesucht und alles gefunden, brachte er alles auf den Punkt, hat alle Faktoren herausgerechnet, und sagte: das muß der Hof kosten.“ Der Nachfolger hat beim Firmengründer, der bei seinen alten Stammkunden auch Jahre nach seinem Tod unvergessen ist, genau zugeschaut, wie Herr Mühlendyck bestätigt: „Mit Herrn Meier Westhoff habe ich ja auch schon Geschäfte gemacht, und das lief in gleicher bewährter Form.“ Aber ist denn alles gleich? Mühlendyck, mit Worten immer eher zurückhaltend, der Mann des Landes, lächelt halb zustimmend, zögert. Dann sagt er: „Er ist natürlich eine ganze Ecke jünger, und die Charaktere der beiden sind auch ganz unterschiedlich. Aber er hat wohl auch dies Geschäftsgeheimnis übernommen, das Herr Jörns hatte: Man will als Vermittler zwar verkaufen, aber man darf seinen Kunden eben auch nicht überfordern.“ Aber Alfred Jörns damals und die beiden AgrarbodenGeschäftsführer Dirk Meier Westhoff und Frank Schulze zur Heide heutzutage haben die Kunden wie Herrn Mühlendyck doch nicht etwa ganz allein gelassen? Nun schüttelt der bedächtige Rheinländer denn doch deutlich den Kopf: „Nachfragen darf man ja beim Kunden, und da wurde bei beiden bestimmt nichts versäumt.“Doch Hermann Mühlendyck setzt noch einen drauf: „Aufdrängen – das geht nicht. Gerade für jemanden, der das unbedingte Vertrauen der Kunden braucht, geht das nicht. Das muß man im Gefühl haben.“ Dirk Meier Westhoff und Frank Schulze zur Heide so wie vor ihnen Alfred Jörns – die beiden haben es wohl, dieses Gefühl, das schon der AgrarbodenGründer hatte, denn Herr Mühlendyck wiederholt zum Abschied nochmal, und er sagt es lebhaft: „Zu Agrarboden würd’ ich jederzeit wieder hingehen!“ Und wie er da so vor seinem uralten, aber bestens ausgebauten Haus steht, den herrlich blühenden Bauerngarten zur Linken, die Weide mit den Pferden zur Rechten, da ist völlig klar: Hier weiß einer sehr genau, was er sagt.

 
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